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Es war einmal eine Katzenfrau. Ihr Name war Feles und sie konnte nur am Tag leben. Wenn sie nicht in ihrem Schloss war, sobald die Sonne unterging, dann starb sie. Sie hatte lange, blond-orange Haare und war braungebrannt. Ihre Ohren waren spitz und sie hatte einen Katzenschwanz. Tagein tagaus trug sie rote Kleider. Ihr Leibwächter, der sie überall hin begleitete, war eine Katze mit braun-orangem Fell. Außerdem hatte sie noch einen zweiten Leibwächter, der ein Computer (in Form einer Katze) war und durch die Luft flog.
Neben dem Land, in dem Feles regierte, lag das Land von Lupus. Lupus konnte nur in der Nacht leben. Er besaß eine blau-graue Rüstung und einen langen, blauen Umhang. Diese Sachen trug er tagein tagaus. Mit dabei hatte er außerdem ein Banner, auf dem ein Wolf und ein Mond zu sehen waren. Begleitet wurde er von Wölfen, die kleiner als seine Handfläche waren. Er wohnte in der Mondburg, die am Mondsee lag, durch den Lupus die ganze Welt beobachten konnte.
Doch Lupus stand auf der Schwarzen Liste des Weihnachtsmannes, weil er nie jemandem etwas schenkte und seine Bediensteten tyrannisierte. Ihm kam nicht in den Sinn sein Verhalten zu ändern, aber er wollte unbedingt auf die Weiße Liste kommen, sonst würde ihm der Weihnachtsmann nichts bringen und er hatte sich aber ein neues Schwert gewünscht, weil sein altes im Mondsee versunken war.
Da Feles für ihre Weisheit bekannt war, beschloss Lupus ihr einen Brief zu schreiben und sie um Rat zu fragen. Feles antwortete, dass er den Weihnachtsmann fragen sollte, was zu tun sei, aber sicherheitshalber würde sie zu den Bediensteten netter sein und Weihnachtsgeschenke einkaufen gehen.
Also schrieb Lupus folgenden Brief statt der üblichen Wunschliste:
Lieber Weihnachtsmann,
ich wünsche mir zu Weihnachten ein neues Schwert, weil mein altes in den Mondsee gefallen ist. Aber da ich noch nie etwas bekommen habe, würde ich gerne wissen, warum das so ist. Die Herrscherin meines Nachbarreiches meint, dass ich zu meinen Bediensteten netter sein sollte und Weihnachtsgeschenke besorgen muss. Aber vielleicht gibt es ja noch einen anderen Grund und den würde ich gerne erfahren und was ich machen müsste, um wieder Geschenke zu bekommen.
Lupus
Der Weihnachtsmann antwortete mit folgendem Brief:
Die Herrscherin deines Nachbarlandes hat vollkommen Recht. Du bist viel zu unfreundlich zu deinen Bediensteten und noch nie hat jemand etwas von dir zu Weihnachten bekommen. Aber wenn du jetzt beginnst, nett zu sein, reicht das für nächste Weihnachten nicht. Falls du allerdings heuer schon ein Geschenk willst, dann komm innerhalb der nächsten vierzehn Tage zu mir zum Nordpol und bring Feles mit; sie scheint mir sehr vernünftig zu sein.
Natürlich weiß ich, dass du am Tag nicht überleben kannst und sie nicht in der Nacht. Aber es liegt ein Mittel bei, das euch hilft, zu überleben.
Der Weihnachtsmann
Lupus nahm sofort das Mittel ein und machte sich auf den Weg zu Feles, um sie zu fragen, ob sie ihn begleiten würde. Zum ersten Mal in seinem Leben sah er die Welt am Tag und war fasziniert von dem grellen Licht der Sonne und davon, dass man auch ohne Kerzen auf die Straße gehen konnte.
Feles’ Schloss war bald erreicht und sie war einverstanden, Lupus zum Nordpol zu begleiten und zu erfahren, was der Weihnachtsmann von ihm wollte.
Natürlich hatten die beiden keine Ahnung, in welche Richtung der Nordpol lag, aber bekanntlich führen alle Wege nach Rom. Warum dann nicht auch zum Nordpol?
Jedenfalls meinten das die kleinen Wölfe, die es sich auf Lupus’ Schultern und Kopf bequem machten. Der Katzenleibwächter von Feles fand, dass sie eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Mäusen besaßen und hoffte, dass eines dieser Wesen herunterfallen würde, damit er es fressen konnte.
Feles hatte einen alten Kompass und die eine Nadel zeigte immer nach Norden, aber sie wusste nicht, welche das war. Dann kam Lupus auf die Idee, den Rentieren zu folgen, denn schließlich spannte der Weihnachtsmann Rentiere vor seinen Schlitten. Bald fanden sie eine riesige Herde und folgten ihr.
Nachdem sie sich vier Tage durch die Tiere gequetscht hatten, kamen sie am Nordpol heraus. Er war jedenfalls ganz aus Eis und in der Ferne sahen sie eine kleine Hütte, in der wahrscheinlich der Weihnachtsmann lebte.
Nach einem weiteren Tag erreichten sie die Hütte, die sich als riesiges Schloss herausstellte. Bewacht wurde es von Panzerbären, Eisbären mit einem Panzer, der eine Tonne wog. Doch Feles und Lupus wurden einfach durchgelassen.
Der Weihnachtsmann erwartete sie im Hof. Er trug einen hellroten Mantel, der mit einem dunkelroten Stoff gefüttert war. Aus demselben Stoff war auch die Mütze, die er auf dem Kopf trug. Der Mantel wurde von einem schwarzen Gürtel zusammengehalten. Der Weihnachtsmann hatte einen weißen Bart und eine rote Nase. Er sah streng auf die Ankommenden herab.
„Ihr seid spät dran“, sagte er zur Begrüßung. „Wir dürfen keine Zeit verlieren, denn sonst wird es für Weihnachten zu spät sein.“
Er ließ sie ein und führte sie in ein bequemes Zimmer, in dem ein Feuer im Kamin brannte. Vor ihm standen mehrere rote Sessel und die Regale an der Wand waren mit Büchern gefüllt.
„Setzt euch irgendwo hin. Ich muss euch jetzt schnell erzählen, worum es geht, denn schließlich müsst ihr Weihnachten retten.
Ein japanischer Professor hat eine Maschine entwickelt, mit der man in die Vergangenheit reisen kann. Dafür habe ich ihn auf die Schwarze Liste gesetzt. Diese Maschine wurde von ein paar Japanern gestohlen, die jedes Jahr Weihnachten in Österreich feiern, also von normalen Touristen.
Doch diese Gruppe hasst Weihnachten und jetzt haben sie beschlossen, ins Jahr 0 zu reisen, um das Christkind zu töten, damit es nie ein Weihnachten geben wird. Eure Aufgabe ist es, auch in die Vergangenheit zu reisen, um das zu verhindern.
Wenn ihr es schafft, dann bekommt Lupus sein Weihnachtsgeschenk. Wenn ihr es nicht schafft, dann ist es sowieso egal. Aber ihr dürft die Japaner nicht unterschätzen. Diese Touristen sind alle gemeingefährlich.“
„Stehen sie auch auf der Schwarzen Liste?“, fragte einer der kleinen Wölfe.
„Natürlich stehen sie auf der Liste. Schließlich haben sie zu Weihnachten nichts Besseres zu tun, als nach Österreich zu kommen. Ich werde euch mit meinem Rentierschlitten in die Vergangenheit bringen und ihr müsst das Christkind retten, bevor es den Japanern in die Hände fällt.
Solltet ihr versagen, dann werdet ihr für immer in der Vergangenheit festsitzen, weil mein Schlitten und ich dann nicht mehr existieren. Wenn ihr das Christkind rettet, dann müsst ihr es den Heiligen drei Königen geben. Die werden es beschützen. Habt ihr noch Fragen?“
„Was ist mit Maria und Joseph?“, fragte Feles.
„Die beiden werden die Heiligen Drei Könige natürlich begleiten. Maria kann ihren Sohn nicht einfach alleine lassen. Wenn ihr jetzt keine Fragen mehr habt, dann machen wir uns auf den Weg zum Schlitten, denn die Japaner sind schon in der Vergangenheit.“
Der Schlitten war riesig und mit knallroter Farbe angestrichen. Die Rentiere, die davor gespannt waren, waren viel größer als die aus der Herde, an der sie vorbeigekommen waren. Das Rebtier, das ganz vorne angespannt war, hatte eine rote Nase.
Der Weihnachtsmann stieg in den Schlitten und winkte Feles und Lupus zu, die sofort hinterher kletterten. Die Rentiere stiegen in die Luft und zischten senkrecht in die Höhe. Lupus und Feles klammerten sich krampfhaft fest, doch dem Weihnachtsmann schien das nichts auszumachen.
Plötzlich stießen die Rentiere wieder nach unten und Feles und Lupus wären fast nach vorne aus dem Schlitten gefallen, doch der Weihnachtsmann legte sich einfach zurück.
Als sie endlich landeten, waren sie mitten in der Wüste. Feles und Lupus verabschiedeten sich vom Weihnachtsmann, sichtlich glücklich, dass sie endlich gelandet waren. Dann brachen sie auf.
„Also, man sollte ihm wirklich den Führerschein wegnehmen“, schimpfte Lupus, als sie außer Hörweite waren.
„Der Weihnachtsmann ist gar nicht geflogen, das waren die Rentiere“, antwortete Feles, überrascht, dass Lupus das nicht mitbekommen hatte.
„Egal. Wo sind jetzt eigentlich diese japanischen Touristen?“
„Wahrscheinlich sind sie schon in Bethlehem“, meinte Feles und zeigte gerade aus. Dort erhob sich hinter einem Dunstschleier eine Stadt. „Wir sollten uns beeilen, denn ich habe keine Lust mein restliches Leben hier zu verbringen.“
„Stimmt, und ich will mein Schwert haben“, sagte Lupus und ging schneller.
Feles verdrehte die Augen und folgte ihm. Sie kamen schnell voran und nach einer Stunde waren sie in Bethlehem. Der Stall war bald gefunden, aber von Maria, Joseph und dem Christkind war nichts zu sehen. Auch die japanischen Touristen waren nirgends.
„Vielleicht hat uns der Weihnachtsmann reingelegt“, überlegte Lupus.
„Ich glaube eher, dass sie erst auf dem Weg hierher sind. Wir sollten allerdings aufpassen, damit die japanischen Touristen sie nicht irgendwo abfangen. Diese Stadt hat zwei Eingänge. Wir sollten uns trennen und sie im Auge behalten.
Wenn sie kommen, müssen wir ihnen folgen und sie immer im Auge beobachten. Falls die Japaner auftauchen, müssen wir sie ablenken. Wir erzählen ihnen einfach, dass sie sich in der Stadt geirrt haben oder das Godzilla auf dem Weg hierher ist. Alles klar?“
Damit drehte sich Feles um und ging zum Tor, durch das sie in die Stadt gekommen waren. Lupus machte sich in die andere Richtung davon. Er war etwas verwirrt, denn er hatte keine Ahnung, wie Japaner aussahen oder wer Godzilla war. Einer der kleinen Wölfe meinte, das sei ein Riesenaffe. Aber Lupus glaubte ihm nicht wirklich.
Feles wusste natürlich genau, wie Japaner aussahen, doch leider benutzen sie den anderen Eingang und gelangten unbemerkt an Lupus vorbei in die Stadt hinein. Dieser war nämlich damit beschäftigt, nach Godzilla Ausschau zu halten und beschoss einen kleinen Affen mit fauligen Datteln.
Maria und Joseph benutzen den Eingang, an dem sich Feles postiert hatte. Natürlich warnte die Katzenfrau sie sofort und fragte, ob sie verfolgt würden. Die beiden verneinten, aber sie hatten einen alten Mann gesehen, der in einem Schlitten saß, der von seltsamen Tieren gezogen wurde.
Feles ließ sie vorbeigehen, verfolgte sie aber und hoffte, dass Lupus alles richtig machte. Dieser hatte eine große Gruppe Leute entdeckt, die er für die Japaner hielt und folgte ihnen. Sie stellten sich allerdings als ein Chor heraus.
Lupus kletterte also auf ein Dach und von dort oben sah er endlich die Gruppe Japaner, die verstohlen durch eine Gasse schlichen. Weiter im Süden sah er Maria und Joseph, die von Feles verfolgt wurden. Und vor den Stadttoren kamen gerade die Heiligen Drei Könige auf ihren Kamelen.
Schnell kletterte er über die Dächer, den Japanern hinterher. Irgendwie musste er Feles warnen und ihr Bescheid sagen, dass die Heiligen drei Könige angekommen waren, die gerade einen Stadtplan studierten und sich nicht einmal sicher waren, ob sie die richtige Stadt erwischt hatten, obwohl der Stern direkt über dem Stall hing.
Lupus begann schneller zu klettern, was er allerdings bald bereute, da er abrutschte und auf die Japaner fiel. Diese dachten, dass Godzilla im Anmarsch sei, da Lupus behauptete, dass er auf das Dach geklettert war, um zu schauen, wie nahe er der Stadt schon gekommen war.
Nachdem aber einer der kleinen Wölfe behauptet hatte, dass das eine Lüge sei, verfolgten sie Lupus durch die halbe Stadt und stießen mit den Heiligen Drei Königen zusammen, die sich darauf geeignet hatten, dass das wohl die falsche Stadt sei. Lupus half ihnen schnell wieder auf, um ihnen zu erklären, dass das die richte Stadt war und sie das Christkind vor den Japanern retten müssten, die Weihnachten hassten, und so weiter.
Die Heiligen Drei Könige waren zwar etwas verwirrt, aber sie glaubten Lupus und folgten ihm zu dem Stall, wo das Christkind bereits in der Krippe lag. Schnell stieg Maria auf ein Kamel, denn Feles hatte ihnen bereits alles erklärt.
Gerade, als sie aufbrechen wollten, kamen die Japaner aus einer Gasse geschossen und stürmten direkt auf die Kamele und die Könige zu. Aber die Reittiere waren natürlich ausgebildete Rennkamele und hängten die Japaner ganz leicht ab.
Also fassten diese aus Rache einen neuen Plan. Sie wollten Feles und Lupus gefangen nehmen, um sie Godzilla zu opfern. Da stieß der Schlitten vom Weihnachtsmann plötzlich aus den Wolken herab und die zwei konnten hineinspringen. Die Japaner waren wütend, dass ihr Plan vereitelt worden war und gingen in die nächste Sushibar.
Der Weihnachtsmann war sehr stolz auf Lupus, dass er es geschafft hatte, diesen äußerst schweren Auftrag zu erfüllen, also bekam er am Heiligen Abend sein Schwert. Feles bekam einen Gutschein für ein Jahr lang gratis Fisch beim Fischhändler um die Ecke. Die Japaner verbrachten in restliches Leben in der Sushibar in Bethlehem.
Die Heiligen Drei Könige brachten das Christkind in ihr Land, wo Maria und Joseph glücklich mit ihm lebten. Als Jesus erwachsen war, eröffnete er ein Spielzeuggeschäft und jedes Kind bekam zu Weihnachten ein Spielzeug gratis.
So wurden (fast) alle glücklich und zufrieden und damit endet die Geschichte.
Ende
Anmerkung: Was mit dem Weihnachtsmann passierte ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
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