Wie alles ein Ende nimmt

Das ist eine Deutschschularbeit, die ich im Alter von 13 Jahren schrieb. Das Thema war ein Reisebericht. Die Angabe lautete folgendermaßen: THEMA: Reisegeschichte. Wähle, wohin du fährst: a) In die Vergangenheit, b) In die Zukunft, c) In die Cyberwelt. Ich wählte die Zukunft. Ein letztes noch: Damals war ich ein Fan (und bin es noch heute) von Star Trek  (created by Gene Roddenberry). Deswegen kommen viele Begriffe draus vor. 

Berlin, Deutschland, Germany
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Wir schreiben das Jahr 2004. Mein Name ist Hermine Hellmann und ich lebe mit meiner Mutter in Berlin.

Ich habe auch einen Vater, doch dieser lebt nicht bei uns, sondern in Spanien, um die Bauarbeiten zu einem riesigen Staudamm zu leiten. Er soll verhindern, dass Wasser vom Atlantik ins Mittelmeer fließt. Dadurch wird es trockengelegt und es entsteht neues Ackerland.

Das hat mir mein Vater in einem Brief geschrieben, den ich gerade lese. Außerdem hat er mir einen Anhänger mitgeschickt. Er zeigt die Landkarte von Arrakis. Das ist der Wüstenplanet in Frank Herberts Science-Fiction-Roman „Der Wüstenplanet“.

Seltsam, ich frage mich, was das für ein interessanter Knopf ist. Was ist denn jetzt los? Alles dreht sich…

„Komm zu dir!“

Jemand schüttet mir Wasser über den Kopf. Ich schlage die Augen auf. Über mir stehen mein Vater und meine Mutter.

„Was ist passiert?“, frage ich.

„Das wissen wir nicht“, antwortet mein Vater. „Wir kenne dich doch nicht einmal. Du bist plötzlich hier gelegen.“

„Aber ihr seid doch meine Eltern!“, rufe ich.

„Nein“, meint meine Mutter.

Verwirrt setzte ich mich auf. Ich befinde mich vor einer riesigen Felswand. Nein, das ist keine Felswand. Das ist Eis. Jetzt merke ich es erst. Ich liege auf einer seltsamen Decke, die aus Eisen zu sein scheint, aber vollkommen weich ist. Nach drei Himmelsrichtungen erstreckt sich eine Eislandschaft.

„Wir bringen dich erst einmal hinein“, meint mein Vater. Ich bin übrigens Evrek und das ist meine Frau Elana.“
Langsam stehe ich auf und folge den beiden. Sie führen mich durch eine Öffnung in der Eiswand. Im Inneren befindet sich eine Art Zentrale.

„Das ist die ,Orion III’, die größte Forschungsstation der Welt.“ Evrek erklärt es so, als ob das die natürlichste Sache der Welt wäre.

Da kommt mir ein Gedanke.

„In welchem Jahr befinden wir uns?“, frage ich.

„Im Jahr 3010“, antwortet Elana. „Wir sind eines der fortgeschrittensten Völker des Universums. Seit dem Jahr 2200 sind Raumschiffe durch die unendlichen Weiten geflogen, um sie zu erforschen. Aber, wieso weißt du das nicht?“

„Muss ich vergessen haben“, sage ich verlegen.

„Nun, egal“, meint Evrek gleichgültig. „Das ist übrigens unsere neuste Erfindung. Das Raumschiff ,Enterprise’. Es wird durch Atomraketen angetrieben und startet in einer halben Stunde zu seinem ersten Testflug.“

„Ich glaube, ich leide an Gedächtnisschwund“, erkläre ich. „Wo sind denn die anderen Menschen?“

„Sie leben am Nordpol, der wieder zugefroren ist, und am Südpol. Wir sind hier im ,Prinzessin-Astrid-Land’ am Südpol. Nachdem ein verrückter Architekt im Jahr 2004 einen Staudamm gebaut hat und das Wasser des Atlantiks nicht mehr ins Mittelmeer fließen konnte, ist alles verdorrt. Die beiden Pole sind die einzigen Orte, an denen wir leben können“, erklärt mir Elana.

Gedankenverloren lasse ich mich auf eine Bank fallen und warte auf den Start der „Enterprise“.
Jetzt ist es soweit! Das Raumschiff stößt eine bunte Wolke aus und hebt ab. Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit rast es davon.

„Wir zeigen dir dein Zimmer“, meint Evrek.
Mein Zimmer liegt an einem langen Gang. Es ist fensterlos, besitzt aber ein weiches Bett. Eigentlich gefällt es mir hier sehr gut und ich habe fast kein Heimweh. Vielleicht bin ich einfach in der falschen Zeit geboren worden. Aber, ich sollte jetzt schlafen.

„Achtung, hier spricht Commander Evrek. Wir haben ein kleines Problem mit der ,Enterprise’, aber der Fehler ist bald behoben. Bitte bleiben Sie ruhig.“

Diese Stimme lässt mich aus dem Schlaf fahren. Sofort reiße ich die Tür auf und stürme den Gang entlang. Elana kommt auf mich zu und führt mich in einen Turm.

„Du musst den Anhänger in ein Schaltpult oben in einem kleinen Raum einsetzten“, erklärt sie. „Dann wird die ,Enterprise’ am Absturz gehindert. Beeil dich.“

Ich haste los. Immer weiter die Treppe hinauf. Da höre ich wieder die Stimme von Evrek: „Die ,Enterprise’ wird in zehn Sekunden abstürzen. Bitte versuchen Sie nicht zu fliehen.“

Das lässt mich für einen Moment erstarren.  Doch dann laufe ich immer weiter nach oben. Ich sehe die Tür vor mir. Ich stoße sie auf, fühle, dass mich tausend Teilchen durchdringen … und sterbe.

Auszug aus einem Geschichtsbuch des Planeten Nexus“

Die Erde wurde im Jahr 3010 durch das Raumschiff „Enterprise“ zerstört. Es stürzte in das Forschungszentrum „Orion III“ und vernichtete mit seinen Atomraketen jegliches Leben auf dem Planeten.

Geschichte 15