Die Klippe der Meerjungfern

Eigentlich war diese Geschichte für einen Schreibwettbewerb, bei dem sich alles um das Thema „Wasser“ drehte. Ich entschied mich für Nixen und Wassermänner. Die Geschichte machte aber nur den fünften Platz. Ich glaube, es haben circa 500 Leute an dem Wettbewerb teilgenommen. Ich schrieb die Geschichte im Alter von 12 Jahren.

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Endlich war es so weit! Wir übersiedelten in die Karibik! Besser hätte es nicht sein können.

Okay, vielleicht doch. Wenn meine kleine Schwester nur nicht mitgefahren wäre! Sie ist total lästig und stinkt aus dem Mund. Oh, wie ich es hasse, wenn meine Eltern immer sagen: „Astrid, pass doch auf Ulrike auf. Wir gehen ins Kino.“ Oder: „Astrid, wirf ein Auge auf Ulrike, damit sie sich nicht die Finger am Herd verbrennt.“

Sobald wir dort waren, würde ich verduften und ins nächste Einkaufszentrum gehen. Und meine Eltern konnten dann schauen, ob sie eine Vertretung für mich fanden. Ich würde nicht länger Babysitter spielen.

„Schaut doch mal! Da drüben!“, rief meine Mutter und unterbrach damit meine Überlegungen über Fluchtpläne und Fluchtmöglichkeiten.

Ich wandte meinen Blick nur äußerst widerwillig aus dem Fenster. Wir fuhren gerade an einer Klippe vorbei, doch mir fiel beim besten Willen nichts Außergewöhnliches an ihr auf.

Doch plötzlich sah ich etwas: Es sah aus wie ein Fischschwanz, aber wenn es einer war, dann war er etwas zu groß für einen Hering, aber auch zu klein für einen Wal.

„Flasche! Ich mag meine Flasche!“, fing Ulrike an zu schreien und wenn sie das tat, dann ging das so circa fünf Stunden weiter.

 „Ulrike, wie oft soll ich es dir noch sagen?“, fragte ich. „Deine Flasche haben wir vor zwei Jahren in den Müll geworfen!“

„Aber, Astrid! Sei doch nicht immer so giftig zu Ulrike“, sagte mein Vater.

„Oh, schau mal, Schatz! Wir sind da!“, rief meine Mutter.

Und tatsächlich fuhren wir gerade auf ein Haus mit Meerblick zu. Unser neues Haus! Mein Vater hatte es vor einem halben Jahr gekauft.

„Ich mag meine Flasche!“, brüllte Ulrike.

„Ach, Ulrike, mein Schätzchen. Astrid hat wirklich Recht. Deine Flasche ist im Müll. Aber wenn du willst, kaufen wir dir gleich morgen eine neue“, redete meine Mutter auf Ulrike ein.

Ulrike nickte und war dann, Gott sei Dank, die restlichen fünf Minuten der Fahrt still. Wenn ich aber gewusst hätte, dass das die letzten ruhigen fünf Minuten an diesem Tag waren, dann hätte ich sie genossen.

Kaum hatten wir unsere Koffer ausgeräumt und etwas gegessen, wollte ich mich auch schon davonschleichen.

Doch als ich unsere Küche durchquerte, bemerkte mich meine Mutter und sagte: „Astrid, wohin willst du denn so schnell? Du musst doch heute auf Ulrike aufpassen, weil dein Vater und ich noch die Insel umrunden wollen und da können wir Ulrike und dich ja wohl schlecht mitnehmen.“

„Aber, Mama! Ich wollte doch ins nächste Einkaufszentrum und mir die neuste CD von Britney Spears kaufen!“

„Nichts da! Du bleibst hübsch hier und passt auf Ulrike auf. Sie ist noch zu jung, um alleine zu Haus zu bleiben. Ihr könnt ja an den Strand schwimmen gehen.“

Damit war mein toller Nachmittag im Einkaufszentrum wohl gestorben.

„Bitte, Astrid! Darf ich ins Wasser? Bitte!“, bettelte mich Ulrike an.

„Ja, ja, verzieh dich! Ich will meine Zeitschrift lesen!“, fuhr ich sie an.

Ulrike wuselte in Richtung Meer davon und ich vertiefte mich wieder in mein „Top of the Pops“. Ulrike konnte, Gott sei Dank, schon schwimmen, denn ich hatte keine Lust, sie aus dem Wasser zu fischen. Aber irgendwie klang das Rauschen des Meeres verlockend. Und so legte ich nach fünf Minuten meine Zeitschrift zur Seite und ging ins Wasser. Ulrike schwamm in der Nähe eines Korallenriffes und beachtete mich gar nicht.

Ich schwamm zu einem Felsen, der bei der Klippe, die mir vorhin schon aufgefallen war, ein Stück aus dem Wasser ragte. Von dort würde ich einen besseren Überblick über die Klippe haben und konnte Ulrike im Auge behalten.

Ulrike schwamm gemütlich bei dem Riff auf und ab und tauchte hin und wieder unter.

Doch plötzlich schwamm sie auf meinen Felsen zu und rief: „Schnell, Astrid! Du musst dir unbedingt ansehen, was ich gefunden habe!“

Ich sprang ins Meer und schwamm auf sie zu. Doch kurz, bevor ich sie erreichte, tauchte sie ab und kam nicht mehr an die Oberfläche. Schnell tauchte ich ebenfalls ab und blickte mich nach ihr um.

Und ich sah sie auch wirklich: Sie trieb bei einer riesigen Koralle und winkte mir zu. Aber sie war nicht allein. Neben ihr trieb ein fremdes Mädchen.

Plötzlich sprach Ulrike. „Astrid, das ist Mahara und sie gehört zu dem Volk der Midi. Ihre Stadt wird von den schrecklichen Alsac, den Haien mit zwei Köpfen, bedroht und sie hat gesagt, dass nur wir beide sie retten können.“

Ich öffnete den Mund um ihr zu antworten und zu meiner Verwunderung konnte ich wirklich sprechen.

„Ulrike, wir haben wahrlich besseres zu tun, als irgendein Volk vor irgendwelchen Haien zu retten! Wir schwimmen jetzt sofort zurück zum Strand, damit nicht irgendwelche Meeresviecher kommen und uns fressen! Das Wasser hier ist viel zu tief für dich.“

Doch Ulrike hörte nicht auf mich, sondern tauchte Mahara nach in die Tiefe. Mir blieb also nichts anderes übrig, als ihnen zu folgen.

Nach einer halben Stunde, in der ich mir viele Gedanken machte, warum mir nicht die Luft ausging, erreichten wir eine riesige Unterwasserfestung. Sie war aus vielen übereinander gestapelten Schiffswracks erbaut.

„Hier lebe ich“, sagte Mahara andächtig. „Und wenn die Alsac erst einmal unsere Festung finden, dann sind wir und sie verloren.“

Langsam bekam ich Mitleid mit Mahara. Sie hatte schreckliche Angst, dass sie ihre Heimat verlieren würde und nur Ulrike und ich konnten das verhindern.

Als ich so nachdenklich auf die Festung blickte, sah ich hinter ihr eine schwarze Wolke. Zuerst dachte ich, dass es bloß eine Gewitterwolke sei, aber dann fiel mir ein, dass wir hier ja unter Wasser waren. Plötzlich kam mir ein Verdacht. Es waren die Alsac!!!!!!!!!!!!!!!

„Mahara, pass auf!“, brüllte ich.

Mahara wandte ihren Blick in Richtung Festung, schrie vor Schreck laut auf und erstarrte dann zu Stein.

Und wie aus heiterem Himmel wurde es mir klar, warum nur Ulrike und ich die Nixen und Wassermänner retten konnten: Wir erstarrten nicht zu Stein so wie sie.

Aber nun ging alles sehr schnell. Ich hatte plötzlich ein Schwert in der Hand und schwamm zusammen mit Ulrike auf die Alsac zu. Plötzlich blieben die zweiköpfigen Haie wie angewurzelt stehen, drehten sich um und nahmen Reißaus.

Kaum, dass sie aus unserem Blickfeld verschwunden waren, erwachten die Leute vom Volk der Midi wieder zum Leben. Wir wurden als Helden gefeiert.

Da rief der Anführer der Nixen und Wassermänner: „Das ist das sagenumwobene Schwert von Tolosa! Es wird die zweiköpfigen Haie für immer von unserer geliebten Heimat fern halten! Danke, dass ihr uns das Schwert zurückgebracht habt!“
 
Und da die Midi darauf bestanden, blieben wir bei ihnen. Na ja, nicht direkt. Es wurden zwei riesige Statuen von uns am Platz der Voktoria errichtet. Und so blieben wir in Erinnerung der Wassermänner und Nixen.

 

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