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Im Land waren unruhige Zeiten und es gab Krieg. Auch in Niederösterreich suchten die Werber des Königs wieder Soldaten.
So kam auch der brave Bauernbursche Josef zum Militär. Schnell nahm er Abschied von seiner weinenden Marie: "Ich werde bald wieder bei dir sein und dann heiraten wir", tröstete er sie.
Viele Jahre war er im Krieg, doch eines Tages fiel er im Feindesland.
Marie wartete immer noch. Sie wusste nicht, dass Josef tot war.
Als sie eines Nachts schlaflos im Bett lag, hörte die Pferdegetrappel.
Jemand rief: "Ich bin's, Josef! Komm heraus zu mir!"
Zitternd schlüpfte sie in ihre Kleider und lief hinaus.
Unter einem Apfelbaum stand ein Schimmel mit einem Reiter. Er half ihr aufs Pferd und ritt fort. Das Pferd schien Flügel zu haben, so schnell flog es an dunklen Dörfern vorbei.
Marie klammerte sich an Josef, der sprach:
"Wie scheint der Mond so hell!
Wie reiten die Toten so schnell!
Fürchtest du dich nicht, mein Schatz?"
Marie erschrak, doch sie sagte: "Ich fürchte mich nicht. Du und Gott, ihr seid bei mir."
In diesem Augenblick kamen sie zu einem eisernen Tor. Es öffnete sich.
Das Pferd lief schnell auf ein offenes Grab zu und verschwand mitsamt dem Reiter.
Es war Tag, als Marie aus einer tiefen Ohnmacht erwachte. Sie lag am Grab.
Hätte sie den Namen Gottes nicht im letzten Augenblick ausgesprochen, so wäre sie samt dem Reiter ins Reich des Todes gesunken.
Sie wollte sich Josef zuliebe ihrem Schicksal geben. Marie erhob sich und machte sich auf den Heimweg.
Die Gegend war fremd und die Leute sprachen nicht ihre Sprache. So weit war sie mit dem toten Reiter geritten.
Nach wochenlanger Wanderung erreichte Marie ihr Dorf.
Alles schien wie früher, nur sie selbst war durch das nächtliche Erlebnis mit dem Geisterreiter ergraut und um viele Jahre gealtert.
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